Fast ein Jahr ist es her,

dass ich Zeit gefunden habe, hier einen Text nieder zu schreiben. Noelanders Trophy 2017 steht unmittelbar bevor und meine Öfen werden nicht mehr kalt. Etwas weniger Stress wäre ganz gut, denn so richtig fit bin ich noch nicht, es zwickt ab und zu, aber es geht und es bringt Spaß.
Das ganze Problem begann vor einem halben Jahr, als ich mit meinem Fahrrad vorschriftsmäßig einen kombinierten Fuß- und Radweg benutzte. Eine Autofahrerin wollte ein Grundstück verlassen und übersah mich, Platz war für mich keiner mehr und so bremste ich, etwas zu stark, denn ich überschlug mich und landete vor dem Auto.


Da es in meinem Ellenbogen knirschte, suchte ich einen Arzt auf, Diagnose: Radiusköpfchenfraktur des rechten Ellenbogengelenkes. (Sechs Wochen, dann kann ich wieder arbeiten) Am nächsten Tag MRT und dort wurde ein Knochensplitter im Bruch festgestellt, ab in die Unfallklinik Boberg. Dort wurde meine OP eine Woche in die damalige Zukunft gelegt, weil Infektionsgefahr durch eine Hautabschürfung im Bereich des Ellenbogens bestand. (Sieben Wochen, dann kann ich wieder arbeiten) Dann wurde ich operiert und bekam einen ganz tollen Kast-Verband:


Es war schönes Wetter und ein kurzärmeliges Hemd konnte ich gut über meinen neuen Arm streifen. Nun lernte ich auch das Verschließen von Knöpfen mit der linken Hand, Zähneputzen ging schon ganz gut, Butter auf´s Brot, hmmm naja, das üben wir noch! Maus mit links war auch ein anstrengendes Geschicklichkeitsspiel.
Meinen neuen Brennofen konnte ich nun erst einmal nicht weiter kennen lernen, Schalen jenseits der 50 cm konnte ich mit meinem Ton auch nicht ausprobieren, aber lesen, in riesigen Mengen, wie sonst nur im Urlaub. Und die Aufträge???
Dann begann irgendwann die Physiotherapie, mein Arm wurde aus dem Verband befreit, der war von Anfang auf einer Seite aufgeschnitten, und es bewegte sich nichts, nur 90°. Die Muskeln waren auch verschwunden, Zahnpasta mit den Fingern der rechten Hand aus der Tube drücken ging auch nicht mehr. Dann kam die Ausstellung Bonsai im Norden in Munster. Ganz toll, denn mittlerweile stellte sich ein Carpaltunnel-Syndrom ein, sodass ich nachts im 20-Minuten-Takt Schlaf fand.
„Das geht so nicht weiter“, meinte mein Arzt in Boberg und schickte mich zur täglichen ambulanten Reha. Daraus wurden dann vier Monate (ohne dass ich arbeiten konnte).
Anfang Januar versuchte ich Ton zu kneten, vier Kilo, so wie früher, nur mit dem Unterschied, dass ich links noch immer viel kräftiger war und rechts eigentlich nur mein Ellenbogen Signale in mein Hirn schickte, mit dieser Tätigkeit doch bitte aufzuhören. Dann wurden die Übungen während der Reha so umgestellt, dass ich wieder Ton kneten konnte und los ging es. Töpferscheibe: Rückenschmerzen, keine ausreichende Muskelmasse. Schalen montieren, natürlich im Stehen: Rückenschmerzen und die Füße!! Arbeiten mit Werkzeugen, das fiel mir alles aus der Hand! Zum Glück habe ich über zwanzig Jahre eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung geleitet und mit und, vor allem, in Ruhe an meinen Defiziten gearbeitet und nun geht es endlich wieder. Zusätzlich jeden Tag mindestens 90 Minuten diverse Übungen und Noelanders Trophy 2017 kann kommen, es gibt ausreichend Schalen. Und danach beginne ich meinen Berg im Büro abzuarbeiten, man glaubt nicht, was alles liegen geblieben ist!


An dieser Stelle möchte ich allen Menschen danken, die mir wieder einen funktionierenden rechten Arm und rechte Hand verschafft haben, den kleinen fehlenden Rest bekommen wir auch noch hin!